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Warum läuft niemand schreiend davon?

„Jugendmarketing“ - ein Fachvortrag in einem angesehen Club. Zwei qualifizierte Referenten berichten über ein spannendes Thema. Ihre Präsentation:

  • Mini-Bilder, die wahrscheinlich interessant wären, WENN man erkennen könnte, was drauf ist, oder WENN der Präsentator erklärte, was es darstellt
  • voll ausformulierter Text, daher
  • alle versuchen zu lesen, während der Vortragende hinterher hinkt
  • man kann’s aber nicht lesen, weil es zu klein geschrieben ist
    (so klein, dass ein Zuschauer in der letzten Reihe anschließend eine Frage stellt, die auf einem Lesefehler beruht – recht peinlich für alle)
  • dass es keine erkennbare Struktur gibt, ist noch das geringste Übel

Und keiner läuft davon, niemand deckt die Schwächen auf – auch ich nicht. Warum nicht? fragt mich einer, der mein Metier kennt. Weil ich die Antworten kenne: „NORMALERWEISE ist das Setting anders; kennen die Zuschauer die Bilder; wird das nicht präsentiert, sondern durchgeblättert; erkläre ich das sowieso, aber wegen des Zeitdrucks ….“ – und „Bisher hat sich noch niemand beschwert!“

Ich kann’s verstehen – auch an diesem Abend ernten die Vortragenden Schulterklopfen und bloß fachliche Fragen. Und werden weiter so durch die Konferenzräume ziehen, denn niemand sagt ihnen, wie schade es um die Inhalte ist, wenn eine Gelegenheit so verschenkt wird.

Auf den unkt gebracht: Wenn du wirklich wissen willst, wie gut deine Präsentation ist, dann verlasse dich nicht auf das, was dir die Höflichkeit der Zuhörer  sagt.
 


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Einer der beiden Vortragenden hat mir diese Äußerung recht übel genommen - ein Auszug aus dem Email:

" ...Ich mache das seit 20 Jahren auf der ganzen Welt so und werde es auch weiter so machen, weil ich der Meinung bin, daß sich die Menschen ruhig etwas anstregen können, um meine Inhalte zu erfassen. Ich fühle mich eigentlich nicht dazu verpflichtet allen alles auf dem Silbertablett zu servieren. Wer sich wirklich für die Inhalte interessiert, der wird sich auch so engagieren, daß er letztendlich zu dem kommt was er will. Im übrigen bin ich ja auch kein kleiner Verkäufer, sondernWissenschaftler und Marketingspezialist und noch dazu einer der wirklich etwas zu sagen hat. Ich brauche den ganzen, um es mal ganz offen zu sagen, Kommunikations- und Psychofiirlefanz nicht und ich weiß mir mit meiner Zeit was Besseres, als mich mit formalistischen Zeugs zu beschäftigen - da lese ich dann lieber ein gutes Buch. Nachteile, die ich dadurch habe, nehme ich gerne in Kauf. Und noch etwas: Wem meine Art zu Präsentieren nicht paßt, der muß ja nicht mit mir zusammenarbeiten, muß sich mich auch nicht anhören etc. Es kann ja jeder aufstehen und gehen, da habe ich dann auch gar nichts dagegen..."
Dem ist nichts hinzuzufügen.

Verfasst von Emil Hierhold am 19.10.2005


Auch ich habe die Timescout-Studie mal im Vortag gesehen und fand es ebenfalls erschreckend! Ich gebe Herrn Hierold vollkommen Recht!
Verfasst von möchte unerkannt bleiben am 30.01.2006



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